Zum Thema Wärmewende durch Fern- oder Nahwärme und zur Energieeffizienz beim Heizen gab es im Herbst 2025 bereits öffentliche Informationsveranstaltungen im Theater am Park. Zwischenzeitlich sind die Planungen speziell für Eitorf weiter konkretisiert worden und sollen bis zum Sommer 2026 einen planerischen Abschluss finden.
Nach der Planung wird dann in den nächsten Jahren die Ausführung folgen müssen, da spätestens mit dem Jahr 2045 in Deutschland eine klimaneutrale Wärmeversorgung für alle Haushalte abgeschlossen sein muss. Dies kann über eine eigene Wärmequelle (Holz/Biogas/Wärmepumpe) oder durch Anschluss an ein dann spätestens vorhandenes Wärmenetz geschehen. Augenblicklich wird geprüft, wo sich Wärmenetze im Eitorfer Ortszentrum verwirklichen lassen. Außenorte können ggf. durch ein eigenes lokales Nahwärmenetz mit Heizenergie versorgt werden.
Ein Einblick in solche Wärmenetze konnte am 17.Januar im Ahrtal an 2 Standorten erfolgen. Die Energieagentur Rhein-Sieg veranstaltete für alle kommunalen, an der Wärmeplanung beteiligten Entscheidungsträger der Wärmewende des Rhein-Sieg Kreises, eine Informationsfahrt in das Ahrtal. In den Orten Marienthal und Rech wurden uns 2 Nahwärmenetze mit sehr unterschiedlichen Konzepten vorgestellt.
Dass hier bereits Wärmenetze in Betrieb sind, ist eine Folge der verheerenden Flutkatastrophe im Juli 2021. Durch die großen Zerstörungen, insbesondere der Infrastruktur, musste ein grundsätzlicher Aufbau der Gemeinden erfolgen. Engagierte Bürger der Orte haben die Möglichkeiten eines nachhaltigen Wandels in dieser Situation erkannt, Genossenschaften gegründet und zusammen mit weitgehend lokalen Firmen diese Wärmenetze im Jahr 2022 (Marienthal) bzw. 2024 (Rech) in Betrieb genommen.
In Marienthal werden aus einer mit Holzpellets betriebenen Heizzentrale 33 Wohnhäuser mit ca. 80°C heißem Wasser zum Heizen ihrer Wohnhäuser versorgt. Die Energieversorgung wird durch eine Solarthermie- und einer Photovoltaikanlage abgerundet. Von Beginn der Erdarbeiten für die Verlegung der Versorgungsrohre bis Inbetriebnahme vergingen nur 6 Monate, alle BürgerInnen packten hierbei mit an. Kosten für jeden angeschlossenen Haushalt entstanden durch die Anschlusskosten, zudem gibt es einen jährlichen Grundpreis und einen Verbrauchspreis pro kWh. In der Dorfgemeinschaft existiert zu diesem Projekt ein großer Konsens, niemand braucht mehr eine eigene Heizungsanlage betreiben. Die Versorgung aus der Heizzentrale erfolgt sehr zuverlässig.
Im anschließend besuchten Rech lernten wir von der hier tätigen ebenfalls sehr engagierten Genossenschaft ein völlig anderes Konzept kennenlernen. Es ist ein kaltes geothermisches Nahwärmenetz, versorgt aus mehreren Tiefenbohrungen mit max. 20°C warmem Wasser. Angeschlossen sind derzeit 57 Haushalte. Bei der Verlegung des Netzes ergaben sich einige Vorteile gegenüber einem warmen Netz. Die Rohre sind hier handelsübliche PE-Rohre und eine aufwendige Dämmung der Rohre entfällt gänzlich. Da die Rohre (Vor- und Rücklauf) zudem dichter nebeneinander verlegt werden können ergeben sich durch schmalere Baugruben geringere Tiefbaukosten. Die jährlichen Kosten für die Haushalte sind ebenfalls geringer, da im Haus nur ein kaltes Medium übergeben wird. Die Installation und der Betrieb einer am Übergabepunkt angeschlossene Wärmepumpe, hier eine Wasser/Wasser Wärmepumpe, liegt dann in Eigenverantwortung der Bürger. Da jedoch der Primärkreis der Wärmepumpe durch das Wasser aus dem Netz gespeist wird, ergeben sich hier Jahresarbeitszahlen von 4 bis 5. Das bedeutet, aus einer kWh Strom können bis zu 5 kWh Wärmeenergie erzeugt werden. Hingegen müssen die weit verbreiteten Luft/Wasser Wärmepumpen ihre Wärmeenergie in den Wintermonaten zeitweise aus satten Minusgraden generieren und erreichen dadurch meist nur Jahresarbeitszahlen von ca.3.
Laut Betreiber des kalten Nahwärmenetzes sollen die jährlichen Heizkosteneinsparungen für Bürger bei bis zu 1000€/Jahr gegenüber rein fossilen Heizungen liegen. Dazu kommt eine Reduzierung von Treibhausgasen von insgesamt nahezu 1000Tonnen CO2 bezogen auf beide Ausbaugebiete.
Alle bürgernahen Vorteile vereinen diese Konzepte, Bürger arbeiten aktiv an der Wärmewende, tragen zum Klimaschutz bei, die Wertschöpfung bleibt in der Region (keine teuren fossilen Importe aus ggf. totalitär regierten Ländern) und die Ansprechpartner für alle Fragen wohnen mit im Dorf! Eine bessere Konstellation ist kaum vorstellbar!
Was hier in einem kleinen Rahmen gelungen ist, kann uns zum Vorbild dienen und wird uns sicher auch in unserem Eitorf gelingen!