Die jüngsten Entwicklungen rund um die Industrieprojekte Krewel und ZF haben in der Eitorfer Kommunalpolitik zu einer massiven Vertrauenskrise geführt. Zunächst stellte die Kommunalaufsicht fest, dass ein Ratsbeschluss, (Dieser beinhaltete, dass ein Kauf des Krewel-Areals nicht weiterverfolgt wird und eine Prioritätenliste der anstehenden Investitionen in Eitorfer Schulen) aufgrund irreführender Beschlussvorlagen ungültig sind. Wenig später zog sich der Investor Prof. Dr. Oleg Retzer sowohl vom Kauf des Krewel-Geländes als auch von ZF zurück. Bündnis 90 / Die Grünen fordern nun volle Transparenz und eine umfassende Aufarbeitung aller diesbezüglichen Verwaltungsvorgänge.
Die Kommunalaufsicht hat den Ratsbeschluss zum Krewel-Areal für unwirksam erklärt. Hintergrund ist, dass Beschlussvorlagen für den Gemeinderat nicht korrekt erstellt wurden: Empfehlungen des Hauptausschusses wurden geändert, ohne dass diese Abweichungen für die Ratsmitglieder gekennzeichnet waren. Diese Änderungen kamen der Position des Bürgermeisters zugute, stehen aber im Widerspruch zum Beschluss des Hauptausschusses (der seinerzeit mit nur einer Gegenstimme – die des Bürgermeisters – gefasst wurde). Als Verantwortlicher für diese Vorlage ist der Bürgermeister selbst eingetragen. Die Fraktion der Grünen sieht hier ein systematisches Problem in der Kommunikation zwischen Verwaltungsspitze und Rat, welches einen enormen Vertrauensschaden hervorgerufen hat.
„Dass Beschlussvorlagen ungekennzeichnet nachträglich manipuliert werden, ist ein massiver Übergriff auf die Entscheidungskompetenz des Rates. Dieser Vorfall allein begründet bereits einen tiefgreifenden Vertrauensverlust. Verschärft wird die Lage durch den Umgang mit Investoren: Der Rückzug des Investors Retzer Industries von den Projekten Krewel und ZF gefährdet die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde massiv. Der Unternehmer wirft dem Bürgermeister vor, durch sein Verhalten den Verkaufsprozess vereitelt zu haben.“
erläuterte unser Fraktionsvorsitzende Jochen Scholz
Bereits letztes Jahr haben sich die Kreissparkasse und die Volksbank aus der gemeinsamen Entwicklungsgesellschaft in Eitorf zurückgezogen – erklärtermaßen, weil die durch den Bürgermeister vorangetriebene Entwicklung (auch wieder in Zusammenhang mit dem Krewel-Gelände) nicht mehr zur Ausrichtung der Banken passen würde. Auch dies ist ein Verlust für den Wirtschaftsstandort Eitorf. In den umliegenden Gemeinden existieren diese Gesellschaften jedoch weiter. Weitsichtiges Verhandlungsgeschick sieht nach Auffassung unserer Fraktion anders aus.
Leider gab es auf der Sondersitzung des Gemeinderates am 16.08.2026 auf einige Fragen keine genauen Antworten. Ohne befriedigende Antwort blieb z.B., warum der Bürgermeister bei einem Investor wie Prof. Dr. Oleg Retzer Hausverbot für das Schoeller-Areal bekommen hat. Vorwürfe, dass der Bürgermeister versucht, Veranstaltungen auf dem Schoeller-Areal abzusagen, wenn er nicht teilnehmen darf, stehen weiterhin im Raum. Diese Schäden liegen als Scherbenhaufen da und schrecken andere Investoren ab in Eitorf zu investieren.
„In der Sondersitzung wurde von den meisten Fraktionen der Wunsch geäußert, dass sich der Bürgermeister hier in Zukunft etwas zurücknimmt und dies seinen Fachabteilungen überlässt. Leider wird hier seitens der Verwaltungsspitze aus einem deeskalierenden Vorgehen eine Machtfrage gemacht, weil sich der Bürgermeister nicht auf diesem Weg vorschreiben lassen möchte, wer an solchen Veranstaltungen teilnimmt oder nicht. Kluges Verhandlungsgeschick stünde hier gegen die Methode Attacke.“
sagt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Sandra Krautscheid.
In der Folge hat Scholz, ein langjähriges Mitglied des Rates, dem Bürgermeister aufgrund der schwerwiegenden Vorwürfe, und insbesondere der zerstörten Vertrauensbasis, den Rücktritt ans Herz gelegt; ein Schritt, der ob des angerichteten Desasters mit drastischen Folgen für den Industriestandort Eitorf doch naheliegen würde. Dies wurde vom Bürgermeister rigoros abgelehnt.
Um die Hintergründe der Projekte Krewel, ZF und Schoeller sowie die Verantwortlichkeiten innerhalb der Verwaltung zweifelsfrei zu klären, hat Ratsmitglied Bente Stern (Grüne) die vollständige Akteneinsicht zu den Vorgängen Krewel-Meuselbach, ZF und dem ehemaligen Schoeller-Areal (heute Besitz der Retzer Industry Eitorf GmbH & Co. KG) beantragt.
Die Grünen fordern:
- Eine lückenlose und transparente Aufarbeitung der durch die Kommunalaufsicht gerügten Vorlagenmanipulationen.
- Die Gewährung der beantragten Akteneinsicht, um die Integrität der Ratsarbeit zu schützen, inkl. der durch den Bürgermeister versendeten Korrespondenz.
- Eine grundlegende Neuausrichtung der Kommunikationskultur zwischen Verwaltung und Rat, um gemeinsam und abgestimmt Eitorf als verlässlichen Wirtschaftsstandort zu sichern.
„Wir können und werden nicht zulassen, dass politische Entscheidungen durch intransparente Verwaltungsvorgänge untergraben werden“, so die Fraktion. Nur durch echte Transparenz kann das verloren gegangene Vertrauen der Bürger*innen und der Investoren langfristig zurückgewonnen werden.